Kunsthandwerker-Markt

Kunsthandwerker-Markt Shop

» Shop: Einbecker Blaudruck » Künstler » In der Blaudruck-Werkstatt

In der Blaudruck-Werkstatt

Traditionelle Blaudrucktechnik - Reservedruck und Handdruck
Für den Blaudruck sind die Reservedruck-Technik und das Handdruck-Verfahren charakteristisch.

Der leuchtende Blaudruckstoff und der Model, mit dem das Muster im Reserveverfahren aufgetragen wird.

Reservedruck
Das paradoxe beim Blaudruck ist: Kein Blaudrucker hat je blau gedruckt!
Stattdessen werden die Muster mit einer farbabweisenden Masse auf den Stoff aufgedruckt. Der Stoff selbst wird gefärbt und erhält dadurch seine leuchtende Farbe. Die Muster jedoch bleiben aufgrund des farbabweisenden Aufdrucks weiss.
Dieses Prinzip, aufgedruckte Muster beim Färben auszusparen, nennt man Reservedruck.

Handdruck
Die Muster werden mit per Hand einem Model so exakt aufgetragen, dass ein durchgehendes Gesamtmuster entsteht.

 

Die Blaudrucktechnik Schritt für Schritt

Der Model wird mit dem farbabweisenden Druckpapp versehen.

  • Der Model wird gleichmäßig in den Druckpapp gedrückt.
    Beim Blaudruck wird in einem ersten Arbeitsgang eine farbabweisende Masse, der Papp bzw. Druckpapp, mit dem Model auf den Stoff aufgedruckt.

Der Model wird in den Druckpapp gedrückt.

 

Passgenaues Auftragen der Muster.

  • Der Model wird millimetergenau aufgesetzt und rapportiert
    Mit Rapportieren bezeichnet man das passgenaue Aneinandersetzen der Modelabdrucke. Es ist eine große Kunst, die Blaudruck-Muster nahtlos aneinander aufzudrucken, so dass hinterher ein durchgehendes Gesamtmuster entsteht. Sowohl Flächen als auch Kanten, Bordüren werden so bedruckt.
     
    Durch Auftragen des Papps auf den Stoff wird die Form des jeweiligen Blaudruckmusters von Farbe freigehalten, also für den Färbevorgang reserviert. Daher Reservetechnik. Der Papp muss fest sein, damit er beim Färben nicht verläuft.

Die Blaudruckstoffe werden getrocknet.

  • Der Papp trocknet
    Nachdem das Muster mit dem Papp aufgedruckt ist, muss der Papp trocknen.

 

  • Der Stoff wird gefärbt
    Im nächsten Arbeitsgang wird der Stoff gefärbt. Dazu werden die Stoffe zusammengenäht und auf den Sternreif oder auch Färbestern gespannt. Die Stoffe dürfen sich beim Färben nicht berühren.
    Der Sternreifen wird mit einer Seilwinde in die Färbeflüssigkeit getaucht.

Der Stoff im färbebad

Der Stoff wird zum Färben aufgespannt.

 

Der gefärbte Stoff oxydiert an der Luft und erhält so seine leuchtende Farbe.

  • Da erlebt man sein blaues Wunder
    Im 17. Jahrhundert wurde mit Färberwaid gefärbt, das dann vom Indigo abgelöst wurde. Seit den 30er Jahren wird auch mit Indanthren-Farben gefärbt.
     
    Für das Färben mit Indogo war charakteristisch, dass der Stoff nach dem Färbebad zunächst eine grünliche Färbung hatte. Doch in Verbindung mit der Luft, durch die Oxydation mit dem Sauerstoff, verwandelt sich die Farbe in ein leuchtendes Blau. Damit der richtige Blauton erreicht wurde, mussten mehrere Färbevorgänge durchgeführt werden. Der Ausdruck "Sein blaues Wunder erleben" hat hier seinen Ursprung.

Der Druckpapp wird ausgewaschen.

  • Druckpapp auswaschen - Blaudruckstoffe verarbeiten
    Ist der Färbevorgang abgeschlossen, werden die Stoffe im Laugenbad in mehreren Spülbädern ausgewaschen. Jetzt werden die weißen Druckmuster sichtbar.

 

Die Blaudruckstoffe werden getrocknet.

  • Blaudruckstoffe verarbeiten
    Die fertigen Stoffe werden getrocknet und umsäumt.
    Dann werden sie zu vielen verschiedenen Produkten verarbeitet.

 

Model und Formstecher

Blaudruck-Model Sonnenrad

Die Model sind das Kapital der Blaudrucker
Da die Blaudruckerei seit ihrer Gründung in 1638 bis 2005 in Familienbesitz der Famlie Wittram war, sind über 800 Model aus allen Stilepochen erhalten.

Die ältesten Druckformen zeigen biblische Motive. Es gibt Druckstöcke aus dem Barock, dem Rokoko, aus dem Biedermeier bis hin zu textilen Mustern des Art Deco. Die Model wurden zum Teil in Hause Wittram hergestellt.

Die Model waren schon früher der sorgfältig gehütete Schatz einer Blaudruckerei. In der Einbecker Blaudruckerei bezeugen sie die durch Jahrhunderte ungebrochene Tradition des Blaudrucks.
Das Foto zeigt ein Model mit dem Motiv "Sonnenrad".

Der Formstecher

Die Herstellung der Model mußte ein Blaudrucker früher in seiner Lehrzeit selbst erlernen. Ursprünglich waren die Model ganz aus Holz geschnitzt. Birnbaum eignete sich wegen seiner Härte, der dichten Oberfläche und seiner Unempfindlichkeit gegen Nässe besonders gut.

Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts entwicklete sich die Herstellung der Model zum Beruf der Formstecherei. Model wurden nicht nur zum Blaudruck sondern auch zum Bedrucken von Tapeten gebraucht. So hatte der Formstecher früher ein weites Arbeitsfeld. Im 19. Jahrhundert wurde Einbeck zu einem Zentrum der Formstecherei in Deutschland.

Heute ist der Beruf des Formstechers praktisch ausgestorben. Die Blaudruckereien, die es in Deutschland noch gibt, haben daher Mühe, Fachkräfte für die Reparaturen und Neugestaltung von Modeln zu finden.

Der Einbecker Blaudruck ist ein Markenzeichen für traditionellen Blaudruck.
Kontakt: Einbecker Blaudruck, Inhaber Ursula Schwerin und Ulf Ahrens
Email: ebd [at] kunsthandwerker-markt.de - Tel.: 05561-3350

Warenkorb

leer