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Improvisationskünstler und Bronzegießer, Fossi der Gabelkönig

1 Kommentar

Autor: Dr. Heinz Bamberg am 13.07.2009

Fossi der Gabelkönig mit Reichsapfel

Fossi der Gabelkönig übt das Bronzegießen aus wie in ganz alten Zeiten. Er zeigt Kindern, wie sie mit Metall arbeiten können und erzählt ihnen Geschichten aus dem Mittelalter. Fossi ist Bronzegießer, Erlebnispädagoge, kreativer, historischer Schmuckhersteller und vieles mehr. In einem Wort: Improvisationskünstler.

Fossi der Gabelkönig lebt das Mittelalter
Und Fossi ist König. Fossi lebt das Mittelalter und gestaltet es sich nach seinen Vorstellungen. Könige hatten früher ihre Insignien und Herrschaftzeichen, Zepter und Krone. Fossi der Gabel-KÖNIG hat sich als Zeichen der Königwürde einen Reichsapfel mit Krone angefertigt.

Bronzegießen - Faszination des flüssigen Metalls
Andre Fürbach, so heißt Fossi mit bürgerlichem Namen, hat das Bronzegießen als Faszination für sich entdeckt. Schon vor langer Zeit.

"Dieses flüssige Metall, dass bei Bronzegießen in Form gebracht wird, ist wie eine Sucht", berichtet Andre Fürbach.

Fossi ist fasziniert von der Bronzezeit bis zum Mittelalter, von den Fertigkeiten und dem Umgang mit Metall. Die Schmuckstücke aus dieser Zeit, vor allem auch die aus der Zeit der Völkerwanderung im 4. und 8. Jahrhundert, begeistern ihn besonders.

Über 10 Jahre lang hat Fossi bei Ausgrabungen nach alten Dingen gesucht und Fossilien gesammelt. Daher auch sein heutiger Künstlername. Er hat alte Gabeln gesammelt, vornehmlich die mit besonderem, ausgefallenem Muster. Doch das Sammeln allein hat ihn nicht zufrieden gestellt. Das Ausgraben, Suchen und Finden antiker, historischer Dinge ist nur ein Teil der Geschichte.

Schätze und historischen Schmuck erschaffen

Kamm aus Gabeln und Servietablett, Granat und Silberspiralen - historisch frei erfunden

Schon immer hat Andre Fürbach von den Schätzen geträumt. Und bei den Funden alter Schmuckstücke war er mehr und mehr von der Idee angetan, diese alten Dinge zu verändern, sie mit Edelsteinen zu besetzen, die originalen Schmuckstücke zu kombinieren, so dass ein neues Original herauskommt.

Originale nachahmen allein ist langweilig und reine Technik. Doch für ihn ist die künstlerische Idee wichtig. So kommt er zu der originellen Idee, historische Schmuckstücke neu zu erfinden. Dies ist für ihn das Gegenteil einfacher historischer Rekonstruktion. Die Schmuckstücke, die er aus den alten Materialien anfertigt, sind wie im Mittelalter gemacht.

Experimenteller Archäologe

Fossi: "Ich sehe mich als experimenteller Archäologe. Ich erfinde historische Schmuckstücke. So hätte es auch sein können, es ist nur noch nicht gefunden worden."

Adler Pfauenauge. Eine Inspiration nach dem Mainzer Domschatz

Der Gedanke vom experimentellen Archäologen ist faszinierend, weil er fern von wissenschaftlicher Exaktheit und Rekonstruktion eine ungemeine Lebendigkeit und Aktualität in das Mittelalter bringt.

Der Nibelungenhort - Fossis eigener Schatz
Fossi der Gabelkönig hat immer schon von Schätzen geträumt. Aber anstatt auf große Schatzsuche zu geben, fing er an, sich seine eigenen Schätze zu erschaffen. Die Idee, historische Schmuckstücke neu zu erfinden, war der Ausgangspunkt für dieses Vorhaben.
So fing Fossi an, sich seinen eigenen Nibelungenhort aufzubauen. Er hat sich den Domschatz angeschaut, einiges in Büchern gesehen und seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Er hat alten Grabschmuck nachgeahmt.

Der Weg ist das Interessante
Verschiedene Sachen wurden ausprobiert. Einiges ging schief, manches Schmuckstück entwickelte sich beim Herstellen anders als gedacht. Anfangs hat sich Andre Fürbach über Fehler, die er gemacht hat, geärgert. Doch dann erkannte er, dass der Weg das interessante ist. Durch die Fehler wurde die Stücke zu einer eigenen Kreation.
Doch vor allem: Durch die Fehler hat er gelernt, wie es früher gemacht wurde. Denn auch früher wurde Fehler gemacht und er hat praktisch den gleichen historischen Entwicklungsprozess noch einmal durchlaufen.

Weitere Historisch erfundene Schmuckstücke aus dem Nibelungenhort

BH aus historischen Eisbechern

Große Schalenfibel. Inspiration nach den Wikingern bei Haitabu.

Fossis Nibelungenhort: "Das ganze Bild ist wichtig"
Der Nibelungenhort von Fossi wird immer größer. Immer mehr außergewöhnliche Schmuckstücke, eigene Domschschatz-Kreationen, kreative Nachahmungen der Römischen Kaiserfibel, Grabschmuck, Büstenhalter aus Bronze sammeln sich an. Das ist sein eigener Schatz, den er hütet und vermehrt. Die Schmuckstücke aus dem Nibelungenhort verkauft Fossi auch nicht. Er möchte den Nibelungenhort als Ganzes erhalten und an wichtigen Orten ausstellen. Er kann zwar das eine oder andere Stück auch nachbauen. Doch das ist zum einem sehr zeitaufwendig, zum anderen manchmal gar nicht möglich, weil Fossi als Basis bestimmte einmalige Fundstücke, z.B. historische Eisbecher oder Löffel mit gestimmten Mustern benutzt hat.

Der Nibelungenhort ist für Fossi Quelle seiner Kreativität und Inspiration.
"Das ganze Bild ist das Wichtige. Der Schatz in seiner Einheit."

Kupfer schmelzen - alt hergebrachte Techniken
Andre Fürbach arbeitet meistens mit alt hergebrachter Technik. Auch aus der Not geboren, keine Geld für einen teueren Ofen zu haben, versetzte er sich wiederum in die alte Zeit und begann Kupfer zu schmelzen mit den Möglichkeiten, die man auch im Mittelalter hatte. Mit Holzkohle, einer Erdgrube, einem Eisenrohr (früher auch eine Tondüse) und einem Blasebalg wurde das Kupfer auf glatte 1.200 Grad Geschmolzen.

Antennenmesser als Rohling und in fertigem Zustand

Dennoch geht er auch mal in die richtige Werkstatt. Denn um ein komplettes Schwert zu gießen, müsste er gut zehn Stunden am Blasebalg sitzen, um auf die notwendige Temperatur zu kommen.

Seine Modelle gießt Fossi häufig in der Sandform, mit ölgebundenem oder nassem Sand. Das Modell wird dabei in den Sandgedrückt wie bei einer verlorenen Form..

Doch nach dem Guss fängt die Arbeit erst an. Dann wird gefeilt, geschliffen, entgratet, geschmirgelt und mit Hämatid poliert. Erst jetzt kommt das gute Stück zur Geltung.
Beim Entgraten der Federmesser können die Kinder helfen. Das gegossene Antennenmesser wird von Schlackeresten befreit und erhält erst so seine richtige Form.

Fossi der Erlebnispädagoge

Die Gegenwart des Mittelalters - Der Erlebnispädagoge, der Action macht
Wenn Fossi der Gabelkönig auf Mittelalter-Märkten Bronze gießt, Antennenmesser herstellt und die Kinder in diese Arbeiten einbindet, dann ist das Mittelalter Gegenwart. Dazu gehört auch, dass er Kinder "wegfängt", ihnen ein Sklaven-Schild umhängt und sie in die Arbeitsfron nimmt. Da müssen / können die Kinder auf dem Amboss herumhauen und den Blasebalg bedienen. Frei nach dem Motto: "man braucht immer eine Hilfe".

Da sieht sich Andre Fürbach als Erlebnispädagoge, der mit Spaß und Action Wissen über das Mittelalter vermittelt, aber auch die Geschichte und kleine Geschichten aus der Vergangenheit erklären kann. Zum Beispiel, wie es zum karierten Soff kam.

Fossi auf Märkten und in "seinem" Fantasialand
Wenn Fossi der Gabelkönig auf Märkten unterwegs ist, besteht seine Tätigkeit zu dreiviertel aus Vorführungen. Höchstens zu einem Viertel aus Schmuckverkauf. Auf Mittekaltermärkten werden seine aufwendig und kunstvoll hergestellten Schmuckstücke, die auch nicht gerade billig sind, nicht so sehr nachgefragt. Außerdem gewinnt man den Eindruck, dass Fossi seine tollen Kreationen liebgewonnen hat und lieber seinem Nibelungenhort zuführt als sie zu veräußern.

Fossi in der Burgschmiede auf Burg Stolberg

Fossi hat das Ziel, seinen Nibelungenhort zu vergrößern und ihn auf Ausstellungen zu präsentieren.
Dann kann er sich vorstellen, auf einem Kreativdorf - ähnlich wie in einem Fantasialand - sein Handwerk anzubieten, damit die Leute selbst etwas machen können. Museumsdöfer sind für ihn leider nicht das Richtige, da diese nur etwas Authentisches, aber keine kreativen neuen Ideen haben möchten.

Fossi der Gabelkönig ist manchmal auf der Burg Stolberg bei Mönchengladbach anzutreffen. Ansonsten auf Mittelaltermärkten, Schmiedetreffen, in Museen und manchmal auch auf dem Kirmes.

Autor: Heinz Bamberg

Weitere Infos:

Autor: Dr. Heinz Bamberg - Autor & Gründer vom Magazin Kunst & Handwerk - Inhaber von kunsthandwerker-markt.de, der Plattform für ausgewähltes Kunsthandwerk, Kunst und Design.
Artikel veröffentlicht am 13.07.2009, 1 Kommentar
Rubrik: Künstler persönlich.

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Kommentare & Anmerkungen

zum Beitrag: »Improvisationskünstler und Bronzegießer, Fossi der Gabelkönig«

Kommentare & Anmerkungen

1Silvie schreibt am 23.09.09 9:36:

Hallo und schönen Dank für den tollen Bericht über Fossi der Gabelkönig.
Auch ich bin ein Fan seiner Kunst. Ich trage privat seinen Gabelschmuck und als Wikingerfrau seinen Bronzeschmuck.

Gruß
Silvie
Wikingerhort Oberhausen

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