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Vom Kunsthandwerkermarkt zum Kunstevent - Bilanz von Kunst-Veranstalter Rainer Gorisch

Seit 27 Jahren veranstaltet Rainer "Gori" Gorisch, selbst Künstler und Kunstmaler, hochwertige Kunsthandwerkermärkte, die er als Kunstevent versteht. Kunst-Veranstalter Gori zieht eine insgesamt positive Bilanz für das Jahr 2008, in dem er vier Kunst-Veranstaltungen in Stein und Holm bei Kiel sowie in Lehrte und Rethmar bei Hannover organisiert hat.
Auch wenn die äußeren Bedingungen für Kunsthandwerkermärkte schwieriger werden und die Anzahl von Märkten zunimmt, sieht Rainer Gorisch für seine Veranstaltungen, auf denen Kunst, Bilder und selbst gefertigtes Kunsthandwerk angeboten wird, weiterhin gute Aussichten. "Das Einzige was zählt und Bestand haben wird", so Gori, "ist die hohe Qualität eines Marktes."
Künstler und Kunst-Veranstalter - Kunst und Kunsthandwerk
Rainer Gorisch sieht seine Kunst-Veranstaltungen zwischen Kunst und gehobenem Kunsthandwerk. Seine Veranstaltung ist eine Mischung aus Kunstmarkt und Kunsthandwerkermarkt. Da ist es von Vorteil, dass er selbst Künstler und Kunstmaler ist, und so andere Künstler gewinnen kann, bei seinen Kunst-Veranstaltungen auszustellen. Beim Kunsthandwerk zieht Gori eine klare Grenze: Nur selbst gefertigte und hochwertige Produkte können ausgestellt werden.

Rainer Gorisch sieht es als großen Vorteil an, dass er selbst Künstler und Kunst-Veranstalter ist:
"Ich kenne beide Seiten, die als Kunst-Veranstalter und die als Künstler. Und bin daher bei Künstler und Kunsthandwerker auch recht beliebt. Denn sie wissen, dass ich die Veranstaltung auch aus Sicht des Künstlers sehe, dass ich mir große Mühe mit der Organisation gebe und viel Werbung für das Kunstevent betreibe. In der regionalen Presse sind meine Kunsthandwerkermärkte gut angekündigt und Plakate werden weiträumig verteilt. Lieber fahre ich noch einmal los um zu plakatieren, als dass ich mir Vorwürfe machen müsste, nicht genügend Aufmerksamkeit auf die Veranstaltung gelenkt zu haben."
Jedes Kunstevent, jeder Kunsthandwerkermarkt mit eigenem Akzent
Gorisch veranstaltet seine Kunstevents und Kunsthandwerkermärkte in Stein bei Laboe und in Holm bei Schönberg, sowie in Lehrte bei Hannover, einmalig im letzten Jahr auch auf dem Gutshof Rethmar bei Hannover. Alle Orte haben ihre eigenen Akzente.
Der Markt in Stein bei Laboe hat seinen besonderen Reiz durch das gleichzeitig an der Steilküste stattfindende Wikingerlager, das viel für Kinder bietet und dem Markt ein besonderes Flair verleiht. Zu den ca. 50 Künstler kommen 2 Wikinger-Sippen mit ca. 120 Akteuren hinzu.
Die Veranstaltung im Ostseehotel Holm besticht, so Gori, durch die lichtdurchfluteten Räume. Auf diesem nur in den Innenräumen stattfindende Markt stellen ca. 40 Künstler aus.
Beim Kunst-Forum in Lehrte stellen ca. 45 Künstler im Kurt-Hirschfeld-Forum und auf dem davor gelegenen Platz aus. Gori würde sich wünschen, dass auch die Lehrter Geschäftswelt mehr Notiz von dieser Veranstaltung nimmt und anerkennt, dass überhaupt hochwertige Künstler nach Lehrte geholt werden.
Das Kunstevent auf dem Gutshof Rethmar war, so Gori, eine tolle Veranstaltung in einem hervorragenden Ambiente, die dort aus organisatorischen Gründen leider nicht wiederholt werden kann.
Schönes für die Seele
Rainer Gorisch ist mit den Veranstaltungen in 2008 im Großen und Ganzen zufrieden, sieht aber, dass es aufgrund der wirtschaftlichen Lage immer schwieriger wird.
Er sagt: "Auf meinen Märkten werden Dinge verkauft, die für die Seele gut sind. Doch die Seele kommt im Moment bei den Leuten zu kurz. Allgemein sind die Besucher begeistert von den tollen Sachen, die auf dem Markt angeboten werden. Aber bevor sie etwas kaufen, überlegen sie erst einmal. Es gibt einfach viele existenzielle Sachen, die teurer werden. Für die schönen Dinge bleibt dann nicht mehr viel übrig."
Diese Tendenz spüren natürlich auch die Künstler, die auf einem Kunsthandwerkermarkt ausstellen.
Übersättigung der Kunsthandwerkermärkte
Gori stellt außerdem fest, dass die Kunsthandwerkermärkte immer mehr zunehmen.
"Viele", so sagt er, "denken, mit einem Markt schnell Geld verdienen zu können." Konkurrenz kommt dabei nicht von den hochwertigen Kunsthandwerkermärkten, sondern von den Basaren und kleinen Märkten, die von kleinen Städten, Firmen und von anderen Veranstaltern durchgeführt werden. Neben einer allgemeinen Übersättigung ist, so Gori, vor allem schlimm, das Märkte als Kunsthandwerkermärkte angekündigt werden, die aber oft nur preisgünstige Händlerware anbieten. Mit diesen Preisvorstellungen kommen die Leute dann zu den Märkten mit professionellen Künstlern und Kunsthandwerkern, die nur selbstgefertigte Produkte anbieten und mit diesen Preisen natürlich nicht mithalten können.
Noch eine andere Tendenz stellt Gori bei Kunsthandwerkermärkten fest. Manchmal werde das Rahmenprogramm zur Hauptsache. Zu viele Musikgruppen und Kleinkünstler werden aufgeboten. Die Künstler und Kunsthandwerker sehen sich dann manchmal nur noch als schmückendes Beiwerk.
"Gute Qualität setzt sich durch"
Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen Kunsthandwerkermärkte landauf landab zu kämpfen haben, sieht Rainer Gorisch seine Kunstevents auf einem guten Weg. Er betont:
"Die einzige Möglichkeit, gegen Konkurrenz und Übersättigung zu bestehen liegt darin, die hohe Qualität der Veranstaltung beizubehalten und auszubauen." Wichtig ist es dem Veranstalter, dass die renommierten Künstler und Kunsthandwerker weiterhin zu ihm stehen. Denn Gori ist überzeugt, dass sich die gute Qualität durchsetzen wird. Denn so Gori: "Viele Leute kommen regelmäßig und verlassen sich darauf, bestimmte, außergewöhnliche Sachen wiederzufinden, die es nur hier gibt." Dieser besondere Anreiz muss erhalten bleiben.
Vor 15 - 20 Jahren sah die Lage für die professionellen Kunsthandwerker und auch für die Veranstalter von Kunsthandwerkermärkten noch ganz anders aus. Gori erinnert sich: "Da haben wir Plakate einfach nur kopiert und aufgehängt. Der Zuspruch zu den Märkten war dennoch groß und die Künstler hatten Umsätze, die heute gar nicht mehr vorstellbar sind."
Kunsthandwerkermärkte zwischen Stadtmarketing und Plakatier-Agenturen
Die Zusammenarbeit mit den Städten und dem Stadtmarketing ist in Regel recht gut. Die Gemeinden wissen, dass hochwertige Kunsthandwerkermärkte auch für das Renommee der Stadt gut sind. So hat die Stadt Lehrte es ermöglicht, das Goris Kunstevent , das "Kunst-Forum Lehrte", mit dem verkaufsoffenen Sonntag zusammenfiel.
Doch an anderer Stelle nehmen die Schwierigkeiten zu. Freies Plakatieren ist nirgendwo mehr möglich. Die meisten Kommunen haben die Verantwortung und Vergabe für Plakatierflächen an Agenturen weitergegeben. Die Agenturen stellen die 'Regeln fürs Plakatieren auf, z.B. Plakatunterkante auf 2,50 m an einer Laterne. Sie legen die Anzahl möglicher Plakateinheiten fest und bestimmen natürlich auch die Preise.
In manchen Kommunen wie z.B. Burgdorf ist Plakatieren für auswärtige Veranstaltungen generell nur über die Deutsche Städte-Medien an Litfasssäulen möglich. Und da man sich nicht einzelne Litfasssäulen auswählen kann, ist gezieltes Plakatieren hier nicht machbar. Die Kosten für das Plakatieren haben somit in den letzten Jahren enorm zugenommen, konstatiert Rainer Gorisch.
Viele Anfragen der Künstler und Kunsthandwerker
Die Anfragen und Bewerbungen der Künstler für die Kunstevents, die Rainer Gorisch veranstaltet, sind sehr groß und nehmen von Jahr zu Jahr zu. Der Großteil der Bewerbungen betrifft dabei die Bereiche Textilien, Keramik und vor allem Schmuck. Gori, der sich auch auf anderen Veranstaltungen umsieht, ist ständig bestrebt, außergewöhnliche Künstler für seine Kunstevents zu gewinnen. So versucht Gori darauf zu achten, dass der Markt nicht einseitig ausgerichtet ist. Im Schmuckbereich lehnt er z.B. die sogenannten Fädler, diejenigen, die Perlen und Steine aufkaufen und dann auffädeln, grundsätzlich ab. Und er achtet auch darauf, dass in jedem Jahr einige Künstler wechseln, damit die Besucher immer wieder Neues und Interessantes sehen können.
Foto oben: ves Foto unten: Gorisch
Autor: Heinz Bamberg
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