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Der Scherenschleifer Jan Lippinkhof im Interview

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Autor: Dr. Heinz Bamberg am 07.08.2008

Scherenschleifer Jan Lippinkhof beim Scherenschleifen

Jan Lippinkhof ist einer der wenigen Scherenschleifer, die dieses Metier noch ausüben und als Scherenschleifer durch die Lande ziehen. Eine besondere Attraktion stellt der historische Schleifwagen dar, mit dem Jan Lippinkhof auf den Kunsthandwerkermärkten unterwegs ist und dort einen Hauch von historischem Ambiente vermittelt.

Ich bin fasziniert von der Lebenseinstellung von Jan Lippinkhof und habe ihn zu seiner Tätigkeit als Scherenschleifer ein paar Fragen gestellt.

Wie lange sind Sie schon als Scherenschleifer unterwegs?
JL: "Das sind jetzt 27 Jahre. Mit 40 Jahren habe ich als Scherenschleifer angefangen. Ich hatte damals ein Restaurant, das sich aufgeben musste. Über einige Umwege kam ich dann zum Scherenschleifen."

Wie kam es zu der Idee, gerade als Scherenschleifer tätig zu sein? Und wie sind Sie zu dem Schleifwagen gekommen?
JL: "In meinem Restaurant besaß ich einen Kutschwagen für die Gäste. Der Kutscher, ein Halbzigeuner, hat im Winter Scheren geschliffen. Er hat mich zu einer Zigeunerfamilie gebracht, die einen alten Schleifwagen für Scherenschleifer besaß und meinte, das sei genau das richtige für mich. Diesen Schleifwagen habe ich gekauft. Der Kutscher hat mir das Scheren schleifen beigebracht, was gar nicht so schwer ist.
Ich hatte die Idee, mit dem Schleifwagen durch die Städte zu ziehen und dort die Leute auf mich aufmerksam zu machen, damit sie ihre Messer und Scheren zum Schleifen vorbeibringen. Das hat aber nicht geklappt. Die Leute waren misstrauisch, wenn jemand Fremdes vorbeigezogen kam.

Dann kam eine Anfrage von einem Stadtfest. Dort war der Scherenschleifer mit dem Schleifwagen eine Attraktion. So ergab es sich, dass ich auf Stadtfeste und schließlich auf große, angesehene Kunsthandwerkermärkte ging."

Schleifwagen von Scherenschleifer Lippinkhof

Was fasziniert Sie am Scherenschleifen und mit dem Schleifwagen von Markt zu Markt zu ziehen?
JL: "Es ist eine Lebenseinstellung unterwegs zu sein. Das Scherenschleifen ist dabei zu einer Leidenschaft geworden. Man lernt Leute kennen, arbeitet tagsüber und sitzt dann abends gemütlich zusammen und plaudert. Es ist ein bisschen wie Urlaub."

**Können Sie vom Scherenschleifen leben? **
JL: "Nein, vom Scherenschleifen allein nicht. Bei 3 Euro für ein Messer, da müsste man schon sehr viel schleifen. Es gehört schon Einiges an Idealismus dazu. Allerdings habe ich mir mittlerweile einen festen Kundenstamm aufgebaut. Es ist bei mir im Gegensatz zu den anderen Kunsthandwerkern langsam immer mehr geworden. Auf den kleinen Märkten passiert nicht viel, aber in den Großstädten, in Duisburg, Brühl und Kempen oder in Krefeld auf dem Flachsmarkt, wo ich seit vielen Jahren stehe, kommen eine Menge Leute mit ihren Messern zu mir."

Der historische Schleifwagen von 1924

Wie haben sich die Märkte geändert?
JL: "Früher war es gemütlicher. Die Bedingungen für die Marktbeschicker sind heute härter geworden. Bei den zunehmenden Standgebühren und den anderen Kosten ist es für die Kunsthandwerker immer schwieriger geworden, noch einen Gewinn zu machen."

Wie hat sich im Verlauf der Jahrzehnte das Publikum geändert?
JL: "Es gab eine Zeit, da haben die Leute die billigen gepressten Bandstahlmesser gekauft. Heute werden qualitativ bessere Messer gekauft. Da lohnt es sich auch wieder, die Messer zu schleifen."

Sie haben einen alten Schleifwagen mit alter Technik. Wie sieht es mit moderner Schleiftechnik aus?
JL: "Moderne Maschinen sind natürlich besser als der alte Schleifwagen. Doch ich habe auch spezielle elektrische Maschinen dabei, so dass ich alles schleifen kann, vom Wellenschliff bis zum Mikroschliff einer Frisörschere. Für normale Messer und Scheren leitstet der Schleifwagen immer noch gute Dienste."

Herr Lippinkhof, Sie sind jetzt 67 Jahre alt. Wie lange geht der Scherenschleifer noch auf Tour?
JL: "Solange es geht. Es macht immer noch Spaß."

Herr Lippinkhof, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
Das Gespräch führte Heinz Bamberg

Zum Scherenschleifer Lippinkhof

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Autor: Dr. Heinz Bamberg - Autor & Gründer vom Magazin Kunst & Handwerk - Inhaber von kunsthandwerker-markt.de, der Plattform für ausgewähltes Kunsthandwerk, Kunst und Design.
Artikel veröffentlicht am 07.08.2008, Kommentar schreiben
Rubrik: Künstler persönlich.

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