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Mein erster Kunsthandwerkermarkt

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Autor: Dr. Heinz Bamberg am 12.07.2008

Kunsthandwerkermarkt Markt Altes Handwerk auf dem Museumshof Lensahn 1999

Das war ganz schön aufregend, einen Kunsthandwerkermarkt auf dem Museumshof Lensahn ins Leben zu rufen. Dort, wo sonst historische Gerätschaften aus der Landwirtschaft gezeigt wurden, sollten Künstler und Kunsthandwerker exklusive, edle und künstlerische Arbeiten vorführen.

Der Markt fand in 1999 an vier Tagen vom 22. bis 25 Juli statt. Den Markt hatte ich 'Markt Altes Handwerk genannt', um die Verbindung vom traditionellen Handwerk zum künstlerischen Kunsthandwerk herzustellen.

Ein Fassmacher zeigte das Böttcherhandwerk und etwas neben dran schnitzte Gudrun Höpner edlen Mammutschmuck.
Der Gewehrschäfter und Büchsenmacher Werner Finck demonstrierte die hohe Kunst, individuelle Gewehrschäfte anzufertigen. In einiger Entfernung davon zeigte der Metallkünstler Hans-Ulrich-Walther kunstvolle Blaker (Wandleuchter) und feine Treibarbeiten und Ziselierarbeiten in Kupfer und Messing.

Es war nicht ohne Risiko, diesen Kunsthandwerkermarkt zu veranstalten. 30 km entfernt findet nur wenige Wochen später mit dem Klosterfest Cismar ein sehr hoch angesehener Kunsthandwerkermarkt statt. Es war völlig unklar, welche Resonanz der 'Markt Altes Handwerk' hervorrufen würde. Doch die Presse berichtete ausführlich und brachte Porträts der Kunsthandwerker. Schließlich kamen in den vier Tagen über 13.000 Menschen. Für einen Erstlings-Markt war das ausgezeichnet.
Und wer gekommen war, der fühlte sich auch in seiner Erwartung bestätigtigt. Es war viel los auf dem Museumshof. Die Besucher konnten viel Ungewöhliches sehen und erleben.

Beim Scherenschleifer Jan Lippinkhof - mit seinem großen, hölzernen Schleifwagen - standen die Menschen Schlange, damit er ihre Messer und Scheren fachgerecht schliff. Auf dem Museumshof schuf der Steinbildhauer Christian von Dallwitz, heute Mitorganisator beim kukt-Projekt in Ahlfeld, eine spiralförmige, fast durchsichtige Alabasterfigur. Beim Schiefertafel-Macher wurden Schiefertafeln vor Ort eingerahmt und Schiefergriffel mit der Griffelmaschine durchgedrückt. Und Bronzeschmied Jens Höpke schmiedete live seine 3-5 cm hohen Bronzefiguren, Bronzeminiaturen, denen er eine beeindruckende Lebendigkeit zu geben versteht.

Es war schön zu sehen, wie interessiert und aufmerksam die Besucher die Live-Vorführungen der Kunsthandwerker verfolgten. Viele Besucher informierten sich auch eingehend über die Produkte und Herstellungstechniken der Künstler.
Der Erfolg eines Marktes misst sich aber nicht nur an der Besucherzahl und ihrem Interesse, die Künstler möchten natürlich auch ihre Produkte verkaufen. Es war schon erstaunlich, wie zufrieden die Kunsthandwerker in dieser Hinsicht waren.

Absolut phantastisch war die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Veranstalter und Künstler und Kunsthandwerker. Man kann guten Gewissens sagen, dass die Künstler sich bei dieser Veranstaltung bestens aufgehoben fühlten.

Alle waren zufrieden, nur einer nicht. Peter Klarhorst, Drucker für originelles Briefpapier, und selbst langjähriger Veranstalter vom Herbstmarkt der Kunsthandwerker auf Burg Neuhaus bei Wolfsburg, war mürrisch von Anfang bis Ende und stapfte erkennbar missmutig hin und her. Zuerst war es ihm zu trocken und sandig und dann zu feucht und nass. Aber auch das gehört dazu.

Denn Kunsthandwerker sind Individualisten und ganz besondere Persönlichkeiten. Fast jeder Kunsthandwerker hat einen abenteuerlichen Lebenslauf, viele hatten zuerst eine akademische Laufbahn eingeschlagen oder waren einem gewöhnlichen Beruf nachgegangen. Jeder von ihnen verspürte den Impuls, seinem Leben eine andere Richtung geben zu müssen. Das Originelle und Einzigartige der Kunsthandwerker zeigt sich nicht nur in ihren Produkten, ihr Lebensgang selbst ist ebenso außergewöhnlich. Man hat es daher mit durchaus eigenwilligen Persönlichkeiten zu tun.

Es gab beim Verein Museumshof Lensahn im Vorfeld viel Skepsis gegenüber der Veranstaltung 'Markt Altes Handwerk'. Doch am Ende waren alle zufrieden. Die Besucherzahlen stimmten, die Einnahmen stimmten, die Presse berichtete äußerst positiv. Für mich persönlich jedoch war am bedeutendsten, dass sich der Markt durchweg für alle Künstler gelohnt hat. Sie hatten weite Anfahrtswege und das Risiko, das mit einem neuen Markt verbunden ist, in Kauf genommen. Und ich war froh, ihnen das Vertrauen, dass sie uns entgegen gebracht haben, zurückgeben zu können.

Im darauf folgenden Jahr war ich nicht mehr auf dem Museumshof Lensahn. Der 'Markt Altes Handwerk' fand und findet weiterhin statt, allerdings eher als gewöhnlicher Markt. Ein besonderes Profil konnte ich nicht mehr erkennen.

Zwei Jahre später habe ich dann begonnen einen Kunsthandwerkermarkt www.kunsthandwerker-markt.de im Internet einzurichten. Die Grundlage hierzu bestand in den guten Erfahrungen mit den Künstlern, in dem persönlichen Kontakt und dem Vertrauen, das sich während des Kunsthandwerkermarktes 'Markt altes Handwerk' herausgebildet hat. Hierauf hat kunsthandwerker-markt.de aufgebaut.
Heinz Bamberg

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Autor: Dr. Heinz Bamberg - Autor & Gründer vom Magazin Kunst & Handwerk - Inhaber von kunsthandwerker-markt.de, der Plattform für ausgewähltes Kunsthandwerk, Kunst und Design.
Artikel veröffentlicht am 12.07.2008, Kommentar schreiben
Rubrik: Märkte & Ausstellungen.

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